An der Zapfsäule stehen mehrere Sorten nebeneinander, deren Bezeichnungen nicht immer selbsterklärend sind. Wer die falsche Sorte tankt, riskiert im günstigsten Fall nur Verwirrung, im ungünstigsten einen Motorschaden. Ein Überblick über die verbreiteten Kraftstoffe hilft, die richtige Wahl zu treffen und die einheitliche europäische Kennzeichnung zu deuten.
Ottokraftstoffe: E5 und E10
Benzinmotoren werden mit Ottokraftstoff betrieben, der an europäischen Säulen mit einem E in einem Kreis gekennzeichnet ist. Die Zahl gibt den maximalen Anteil an Bioethanol an: E5 enthält bis zu fünf Prozent, E10 bis zu zehn Prozent Ethanol. Ob ein Fahrzeug E10 verträgt, hängt vom Modell ab; die meisten neueren Benziner sind dafür freigegeben, während einige ältere oder besondere Motoren es nicht vertragen. Angaben dazu finden sich in der Betriebsanleitung, bei Herstellerlisten oder am Tankdeckel. Neben dem Ethanolanteil unterscheiden sich Benzine in der Oktanzahl, die die Klopffestigkeit beschreibt. Verbreitet sind Super und Super Plus mit höherer Oktanzahl. Ein Motor, der eine bestimmte Mindestoktanzahl verlangt, sollte nicht dauerhaft mit niedrigerer betankt werden.
Diesel und seine Varianten
Dieselkraftstoff ist an der Säule mit einem B in einem Quadrat gekennzeichnet und für Selbstzünder bestimmt. Auch hier ist ein Biodieselanteil beigemischt, dessen zulässige Höhe in der Kennzeichnung erscheint. Neben dem regulären Diesel werden mancherorts Premium-Dieselsorten mit Additiven angeboten, die die Verbrennung oder den Schutz des Systems verbessern sollen. Im Winter wird Diesel an die kalte Jahreszeit angepasst, damit er bei niedrigen Temperaturen nicht ausflockt. Zunehmend verbreitet sind paraffinische Kraftstoffe wie HVO, die aus hydrierten Pflanzenölen oder Reststoffen hergestellt werden und teils als Ersatz für herkömmlichen Diesel dienen. Ob ein Fahrzeug dafür freigegeben ist, sollte vorher geprüft werden.
Wichtig: Benzin und Diesel nicht verwechseln
Die häufigste folgenschwere Verwechslung ist das Betanken eines Dieselmotors mit Benzin oder umgekehrt. Bei einem Fehlgriff sollte der Motor nicht gestartet werden, da der falsche Kraftstoff sonst in das Einspritzsystem gelangt und teure Schäden verursacht. In diesem Fall ist es sinnvoll, das Fahrzeug an der Station stehen zu lassen und den Tank fachgerecht leeren zu lassen. Die unterschiedlichen Zapfpistolendurchmesser bieten einen gewissen, aber keinen vollständigen Schutz vor Verwechslungen.
AdBlue und andere Betriebsstoffe
AdBlue ist kein Kraftstoff, sondern eine wässrige Harnstofflösung, die bei vielen modernen Dieselfahrzeugen zur Abgasreinigung benötigt wird. Sie wird in einen separaten Tank gefüllt und mindert den Ausstoß von Stickoxiden. Der Verbrauch ist deutlich geringer als der von Diesel, dennoch muss AdBlue regelmäßig nachgefüllt werden. Ist der Vorrat erschöpft, lässt sich das Fahrzeug bei vielen Modellen nach einer Warnphase nicht mehr starten. AdBlue ist an gesonderten Zapfsäulen oder in Kanistern erhältlich. Weitere Betriebsstoffe wie Motoröl, Kühl- oder Scheibenwaschmittel werden an vielen Stationen im Verkaufsraum angeboten, gehören aber nicht in den Kraftstofftank.
Alternative Antriebe an der Tankstelle
Neben den flüssigen Kraftstoffen bieten manche Stationen Autogas (LPG) und Erdgas (CNG) an, die eigene Zapfeinrichtungen und Anschlüsse erfordern. Diese Sorten sind nur für entsprechend ausgerüstete Fahrzeuge geeignet. Ladepunkte für Elektrofahrzeuge finden sich zunehmend ebenfalls an Tankstellen, funktionieren aber technisch völlig anders als eine Zapfsäule. Wer ein solches Fahrzeug fährt, sollte auf das passende Angebot und die verfügbaren Anschlusstypen achten.
Die europäische Kennzeichnung mit Kreis für Benzin und Quadrat für Diesel erleichtert die richtige Wahl, ersetzt aber nicht den Blick auf die Freigaben des eigenen Fahrzeugs. Wer Oktanzahl, Ethanol- oder Biodieselanteil und die Anforderungen des Motors kennt, tankt sicher – und weiß, dass AdBlue und Gase eigene Systeme sind, die sich nicht mit dem Haupttank vermischen.