Wasserstoff tanken: Standorte und Ablauf

Wasserstofffahrzeuge sind selten, und das dazugehörige Tankstellennetz ist entsprechend überschaubar. Wer ein Brennstoffzellenfahrzeug fährt oder den Umstieg erwägt, muss den Ablauf der Betankung und die Verteilung der Stationen kennen, denn beides unterscheidet sich deutlich von konventionellen Kraftstoffen. Die zentrale Frage lautet meist: Wo lässt sich überhaupt Wasserstoff tanken, und wie funktioniert das genau?

Wie das Wasserstofftanken abläuft

Wasserstoff wird gasförmig unter sehr hohem Druck getankt. Der Zapfvorgang erfolgt über eine Kupplung, die fest und druckdicht mit dem Fahrzeuganschluss verriegelt wird. Erst danach beginnt die eigentliche Betankung. Anders als beim offenen Einfüllen von Benzin ist das System während des Vorgangs vollständig geschlossen.

Getankt wird nach Gewicht in Kilogramm. Während der Betankung kühlt der Wasserstoff vorgekühlt in den Tank, um die Erwärmung durch die Verdichtung auszugleichen. Der gesamte Vorgang dauert bei funktionierender Anlage nur wenige Minuten und ähnelt zeitlich damit eher dem Tanken flüssiger Kraftstoffe als dem Laden eines Elektrofahrzeugs.

Zwei Druckstufen unterscheiden

Bei Wasserstoff gibt es unterschiedliche Druckstufen, die für verschiedene Fahrzeugtypen ausgelegt sind:

  • Höhere Druckstufe: Sie wird üblicherweise für Personenkraftwagen mit Brennstoffzelle verwendet.
  • Niedrigere Druckstufe: Sie kommt vor allem bei Bussen und schweren Nutzfahrzeugen zum Einsatz.

Nicht jede Station bietet beide Druckstufen an. Vor der Fahrt sollte deshalb geprüft werden, ob eine Station den passenden Anschluss für das eigene Fahrzeug führt. Ein Pkw kann nicht ohne Weiteres an einer reinen Nutzfahrzeug-Zapfanlage betankt werden.

Wo es Stationen gibt

Das Netz der Wasserstofftankstellen ist klein und konzentriert sich auf Ballungsräume und wichtige Verkehrsachsen. In vielen ländlichen Regionen gibt es keine erreichbare Station. Die Abstände zwischen zwei Tankmöglichkeiten können daher groß sein, und die Versorgungslage ist regional sehr unterschiedlich. Eine flächendeckende Verfügbarkeit wie bei Benzin und Diesel besteht nicht.

Weil die Zahl der Stationen gering ist, wirkt sich der Ausfall einer einzelnen Anlage stärker aus als im dichten Netz konventioneller Tankstellen. Ist eine Station wegen Wartung oder einer technischen Störung außer Betrieb, kann die nächste Alternative weit entfernt liegen. Es empfiehlt sich, den Betriebsstatus vor einer längeren Fahrt zu prüfen und die Reichweite mit Reserve zu planen.

Worauf beim Tanken zu achten ist

Einige Punkte helfen, unnötige Wege und Verzögerungen zu vermeiden:

  • Verfügbarkeit vorab klären: Ob eine Station in Betrieb ist und die passende Druckstufe bereitstellt, sollte vor der Anfahrt bekannt sein.
  • Zugang und Freischaltung: An manchen Stationen ist eine Freischaltung oder Registrierung erforderlich, bevor getankt werden kann.
  • Kälte an der Kupplung: Da der Wasserstoff vorgekühlt wird, kann die Kupplung während und nach dem Vorgang sehr kalt sein. Die Bedienhinweise an der Anlage sind zu beachten.
  • Mehrere Optionen einplanen: Angesichts des dünnen Netzes lohnt es sich, bei längeren Strecken mehr als eine mögliche Tankgelegenheit vorzusehen.

Wasserstoff zu tanken ist technisch unkompliziert und zeitlich schnell, sobald eine funktionierende Station mit der passenden Druckstufe erreicht wird. Die eigentliche Herausforderung liegt in der geringen Zahl und der ungleichen Verteilung der Standorte. Wer die Unterscheidung der Druckstufen kennt, den Betrieb einer Station vorab prüft und die Reichweite mit Reserve plant, kann das kleine Netz zuverlässig nutzen.